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Landesverband der Schausteller und Marktkaufleute Niedersachsen-Nord und Bremen e.V

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Innensenator Röwekamp beim Fassanstich Bremer Freimarkt

Das Marktmeister Team Bremen

Innensenator Röwekamp verkleidet zum Freimarkt 2004

Schaustellerpastor a.D. Herr Biel und  Dompastorin Frau Witte zum Mitternachts-Gottesdienst im Brauhaus

Das Interbrew Team. Immer im Einsatz auf dem Bremer Freimarkt

 

  Schaustellerbereich (Zeitungsberichte)   

Update 27.02.2006 19:58:15

 

Geschäftskundenshop

 

Zwischen Prügel und Prominenz
Glöckl-Wirt Michi Beck, der jetzt pleite ist, sorgte oft für Wirbel
VON MARIA NEIDLINGER Eigentlich war Michi Beck immer mehr Gast als Wirt. Stammgast sogar: auf der Polizeistation, vor Gericht, in den Schlagzeilen. Es gab rauschende Partys, Namens-Streit um die Nürnberger Rostbratwurst, nächtliche Prügeleien. Kurz: Beck ist eine der schillerndsten Figuren der Münchner Gastronomie.


Am Mittwoch war`s mal wieder soweit. Beck ist pleite, verkündete die Augustiner-Brauerei und kündigte die Pacht fürs berühmte "Bratwurst-Glöckl am Dom" (wir berichteten). Während der Konkursanwalt Akten wälzte und Mitarbeiter beruhigte, tauchte Beck ab. "Ich kann ihn auch nicht erreichen, ich weiß nicht, wo er ist", sagt Insolvenzverwalter Axel Bierbach. Angeblich hat sich Beck Richtung Dubai abgesetzt, ins Paradies der Millionäre.

Zu denen kann sich Beck nicht mehr rechnen. Eine Million Schulden hat er, seine "Bratwurst Glöckl Gmbh" ist ebenso zahlungsunfähig wie drei weitere Gesellschaften.

Dabei strahlte der Stern von Michael Beck, "Michi" genannt, vor einem Jahr noch besonders hell. Damals lud er scharenweise Prominente zur Eröffnung seines asiatischen Lokals "Thaifoon" ein. Das gab viel Wirbel. Das Restaurant, gleich neben "Bratwurst Glöckl" und "Augustiner am Dom" (bis Dezember 2003 auch von Beck geführt), war ein lang gehegter Wunsch von ihm: Beck, der in München eine Metzgerlehre abschloss, bekam den letzten Schliff in der Gastronomie in Asien beigebracht. Er arbeitete in Shanghai und Hongkong und leitete sogar ein Lokal in Peking. Noch immer ist Beck mit der Filipina Nadja verheiratet.

Einmal im Jahr war Beck aber besonders wichtig. Er gehörte mit seinem Zelt "Bratwurst Glöckl" zu den kleinen Wiesn-Wirten - doch schaffte er es öfter in die Presse als jeder andere Schausteller. In seinem Zelt begrüßte er Hamburger Kiez-Größen wie den "Neger-Kalle", einschließlich hübscher Mädchen als Dekoration.

Als es einmal während des Oktoberfestes schneite, holte Beck seine alten Skier heraus und posierte damit vor seinem Zelt - breitbeinig auf einem Schlitten sitzend. Den wird er wohl in Dubai nicht brauchen.


 

 

27.02.2006  |  Netzcode: 10836439

Volksfest lockt mit "Happy Hour"
Appell an Schausteller: Bei großen Veranstaltungen auch kleine Geschäfte zum Zug kommen lassen
Weiden. (hcz) Bei der Bezirksstelle Weiden des Verbands der Marktkaufleute und Schausteller scheint alles in Ordnung zu sein. Im Gegensatz zu Kollegen, beispielsweise in Baden-Württemberg, die erhebliche Probleme mit Festplatz-Privatisierungen haben und deren Landesverband nicht nur über finanzielle Probleme, sondern auch über großen Mitgliederschwund klagt.

Der Präsident des Bayerischen Landesverbands mit zirka 2500 Mitgliedern, Wenzl Bradac (München), berichtete dies von der Landesdelegiertenkonferenz, die kürzlich in Bamberg stattgefunden hatte.

Er forderte in der Jahreshauptversammlung der Marktkaufleute und Schausteller am Samstag im Schützenhaus dazu auf, auch die kleineren Geschäfte zum Zuge kommen zu lassen. Sie seien "die Farbtupfer auf unseren Festen".

Konkurrenz: Vereinsfestl'n

Vorsitzender Peter Renner beklagte lediglich die Konkurrenz, die den Frühlings- und Volksfesten durch zahlreiche "Vereinsfestl'n" erwachsen würden. Kathrein- und Christkindlmarkt seien gut verlaufen. Robert Margraf und Gerd Donhauser hätten Christbaumständer und zwei weitere Märchenhäuschen gebaut. Somit erfreuen nun acht Stück die Kinder. Auf der Wunschliste stehe eine überdachte Bühne für die Konzerte auf der Rathaustreppe.

Kassiererin Thea Strehl und Donhauser für die "Arge Märkte" berichteten von den Finanzen. Erheblich zu Buche geschlagen hätten das Material für die Märchenhäuser sowie die finanzielle Beteiligung am Tor zum Festplatz. Vorsitzender Peter Renner fand ansonsten nur lobende Worte für den Festplatz, die Stadt, den Oberbürgermeister und die Königlich-privilegierte Feuerschützengesellschaft. Schützenmeisterin Carola Girisch dankte für den finanziellen Beitrag. Zu je einem Drittel hatten ihr Verein, die Stadt und die Schausteller das Tor bezahlt, das zum Frühlings- und zum Volksfest den Eingang schmückt.

Für die Spende, die der Verband der Stadt für wohltätige Zwecke zukommen ließ, dankte Bürgermeister Lothar Höher. Die Stadt stehe hinter den Schaustellern und Marktkaufleuten, versicherte Höher auch namens der ebenfalls anwesenden Stadtratskollegen Wilhelm Moser, Karl-Heinz Schell, Hans Blum und Karlheinz Rothballer.

Ein Tag der D-Mark

Rechtsdirektor Hermann Hubmann stellte die Planungen für das neue Volksfest vor. Bei der Vergabe seien die Vertreter des Weidener Schaustellerverbands stets dabei. Insbesondere wies Hubmann auf das "sehr sensible Lebensmittelrecht" hin. Es werde akribisch gehandhabt und entsprechend streng kontrolliert. Platzmeister Peter Rackl kündigte bereits für das kommende Frühlingsfest Aktionen wie eine "Happy Hour", einen "Tag der

D-Mark", Flyer mit Gutscheinen und eigens von Vereinen gestaltete Aktionstage an.

 

 

TODESSTURZ AUS BUNGEE-KUGEL    Pressebericht 06/02/2006

Staatsanwältin fordert Freiheitsstrafen

Im Prozess um den tödlichen Unfall auf einer Kirmes im rheinland-pfälzischen Daun hat die Staatsanwaltschaft Freiheitsstrafen ohne Bewährung gefordert. Eine 14-Jährige war vor eineinhalb Jahren aus einer Bungee-Kugel in den Tod gestürzt, weil sie nicht ordnungsgemäß angeschnallt war.

Trier - Sowohl die Betreiber als auch die Angestellten hätten sich der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung schuldig gemacht, erklärte die Staatsanwältin heute vor dem Landgericht in Trier.

Die Vorwürfe sind massiv: Die 14-jährige Kirmes-Besucherin soll am 10. August 2004 tödlich verunglückt sein, weil sie vom Personal nicht angeschnallt wurde. Ihre 16 Jahre alte Freundin überlebte verletzt und schwer traumatisiert.

Mehrere Kunden des Fahrgeschäfts hatten ausgesagt, dass die Schausteller das Anschnallen in der Regel absichtlich hinausgezögert hätten, um den Gästen Angst zu machen. Einer der angeklagten Mitarbeiter bestätigte, dass der Spannvorgang der Drahtseile bisweilen eingeleitet wurde, ohne dass die Fahrgäste gesichert waren. Danach blieben etwa 40 Sekunden, bis die Kugel in 65 Meter Höhe geschossen wurde. "Wenn wir die Mädels ärgern wollten, haben wir den Bügel erst kurz vor dem Abschuss zugemacht, um ihnen Panik zu machen", gab der 25-jährige Gehilfe Jürgen L. zu. "Spätes Anschnallen gehörte bei uns zum Programm."

Die drei Schaustellergehilfen hätten mit dem Leben der Fahrgäste gespielt und müssten jeweils mit zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis bestraft werden, forderte die Anklagebehörde. Das Betreiberehepaar habe die "leichtsinnige Handhabung" des Personals geduldet und müsse für ein Jahr und acht Monate in Haft.

Nach Ansicht des technischen Sachverständigen ist "ein summiertes Fehlverhalten" des Personals für das tödliche Unglück verantwortlich. Die Mitarbeiter seien mangels vorgeschriebener Schulungen nicht zum Betrieb der Anlage berechtigt gewesen. Zudem hätte der "Slingshot" wegen vorgenommener technischer Veränderungen nicht betrieben werden dürfen, sagte der Gutachter vor dem Gericht. Die Schausteller hatten nachträglich eine Sprenkleranlage, eine Nebelmaschine und ein Videogerät installiert.

Das Urteil soll am 23. Februar gesprochen werden.

Kommentar: LVNB 

Für uns unfassbar, was hier laut Pressebericht geschehen ist. Eine Anlage so verantwortungslos zu betreiben darf und kann nur ein Einzelfall bleiben und auch dieser Einzelfall ist schon einer zuviel, denn hier ist eine unschuldige Person ums Leben gekommen. Wir bitten alle Schaustellerbetriebe in Zukunft noch mehr auf die Sicherheit der Fahrgäste zu achten, damit so etwas Schreckliches nie wieder passieren kann. Wir wissen natürlich, dass dieses ein Ausnahmefall ist und die Fahrgeschäfte ansonsten sicher von verantwortungsvollen Betreibern geführt werden. Unverständlich ist für uns auch das vom Hersteller keine Sicherung eingebaut war, die den Abschuss der Kugel ohne Gurte und Bügel verhindert hätte.  Unser Verband wird diesen Vorfall auf dem nächsten Bundesverbandstag  vortragen und die Sicherheit des Publikums auf Volksfesten zum Thema machen. 

Wir möchten der Familie der Verunglückten unser grosses Bedauern und Mitgefühl aussprechen. Wir wissen natürlich auch, dass dieses nicht über Ihren grossen Schmerz hinweghilft.

 

24.02.2006

Eltern entsetzt über "Bungee"-Urteil

Bewährungsstrafen für alle fünf angeklagten Schausteller / Staatsanwaltschaft prüft Revision

 

Trier. Eineinhalb Jahre nach dem tödlichen Sturz einer 14-Jährigen aus einer "Bungee-Kugel" auf der Dauner Kirmes sind gestern alle fünf angeklagten Schausteller zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Nach Ansicht des Landgerichts Trier machten sich das Betreiber-Ehepaar des Fahrgeschäfts und drei seiner Angestellten der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung schuldig. Die Schülerin war aus 65 Metern Höhe aus der Kugel in den Tod gestürzt, weil sie nicht angeschnallt worden war. Ihre 16 Jahre alte Freundin überlebte verletzt und traumatisiert.

Der 56 Jahre alte Betreiber der Anlage sowie zwei seiner Mitarbeiter wurden zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Der dritte Schaustellergehilfe, der den Abschuss der Kugel ausgelöst hatte, erhielt zwei Jahre. Gegen die Frau des Betreibers wurde eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten verhängt. Alle Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt.

Nach der Urteilsverkündung zeigten sich die Eltern des getöteten Mädchens entsetzt: "So ein mildes Urteil ist ein Hohn", sagte der Vater, während seine Frau weinte. Die Staatsanwaltschaft will prüfen, ob sie gegen das Urteil Revision einlegt. Sie hatte langjährige Haftstrafen gefordert, die wegen der "Schwere der Vergehen und Folgen" nicht zur Bewährung ausgesetzt werden sollten.

Im Prozess waren grobe Nachlässigkeiten der Schausteller zu Tage getreten. Die drei Männer, die an der Anlage arbeiteten, hatten eingeräumt, oftmals den Spannvorgang der Drahtseile eingeleitet zu haben, ohne die Fahrgäste zu sichern. Erst wenige Sekunden vor Abschuss der Kugel war der Haltebügel heruntergeklappt worden. Die gefährliche Anschnallpraxis erklärten die Männer im Alter von 25 bis 33 Jahren damit, dass sie "die Mädchen ärgern" und den Nervenkitzel erhöhen wollten. "Spätes Anschnallen gehörte zum Programm", hatte einer eingeräumt.

Etwa 8000 Mal sei die Sache auch gut gegangen, sagte der Vorsitzende Richter Rolf Gabelmann. Bis zum 10. August 2004. Da hatten zwei Schausteller mit den beiden Mädchen gescherzt, sie mit Wasser bespritzt und nicht auf die Gurte geachtet. Der dritte Mitarbeiter drückte auf den Abschussknopf, ohne sich zu vergewissern, ob die Mädchen gesichert waren. Drei Sekunden später raste die Kugel in die Luft und schleuderte die 14-Jährige heraus. Sie fiel zunächst mit dem Kopf auf ein Geländer, dann auf den Boden und wurde dabei tödlich verletzt. Ihre Freundin konnte sich am Gestänge festklammern.

Es habe sich um ein "kumulatives einmaliges Versagen" gehandelt, sagte der Richter. Die Männer hätten "manchmal ungeheuer schlampig, aber manchmal auch hervorragend zusammengearbeitet". Das milde Urteil begründete er auch mit den umfassenden Geständnissen der Schausteller. Sie hätten im Prozess gezeigt, wie sehr sie unter dem tödlichen Unfall litten. dpa

 

 

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Schausteller und Marktkaufleute zunehmend in Existenznöten
Bamberg (dpa/lby) - Die Marktkaufleute und Schausteller in Bayern sehen sich zunehmend in ihrer Existenz bedroht. Noch habe es so viele Insolvenzen wie in der jüngsten Vergangenheit, sagte der Präsident des Landesverbandes der Marktkaufleute und Schausteller, Wenzel Bradac, am Montag zum Auftakt der Landesversammlung in Bamberg. Knapp 20 Betriebe hätten in den vergangenen zwei Jahren aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben. Vor allem die gestiegenen Energiekosten seien für die Schausteller ein Problem.
 

20.01.2006

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Umsätze brechen weg
Sorgen der Marktkaufleute vor Fußball-Weltmeisterschaft

Weiden. (wd) Der Anschein einer heilen Welt wird gewahrt. Sorgen und Nöte passen nicht ins Bild von Jubel, Trubel, Heiterkeit, das die Schausteller und Marktkaufleute auf ihren Festen verbreiten wollen. Und von dem sie auch leben. Doch ihr Überleben wird immer schwieriger. Beim Landesdelegiertentag in Bamberg wird offen von Umsatzeinbrüchen bis zu 25 Prozent gesprochen. "Die Zahlen sind wohl überall gleich", gestehen die Weidener Marktkaufleute Robert Margraf und Karlheinz Rothballer.

Die Marktkaufleute zählen sich schon jetzt nicht zu den Gewinnern des Jahres 2006. Während andere über die Fußballweltmeisterschaft jubeln, wissen Margraf und Rothaller bereits, dass es für sie Hundstage geben wird. "Das Eröffnungsspiel fällt mit dem Feuerwerk der Amberger Pfingstdult zusammen. Da ist dann tote Hose, wir bräuchten uns gar nicht erst hinzustellen", fürchtet Rothballer.

"Angefressen" reagiert der Marktkaufmann, SPD-Stadtrat und Platzmeister für das Volks- und Schützenfest auf die "nicht beeinflussbaren Faktoren", die die Arbeit erschweren: Die "Schwarzgastronomie", die Vereinsfestln, die Beach-Partys, die auch Staat und Gastronomie schädigen. Oder die Energiepreise, die dazu führen, dass immer mehr lukrative Geschäfte den Feuerschützen einen Korb geben, weil sich die Anreise aus Köln oder München nicht mehr lohnt.

Während in der Region die Städte "noch mit Herzblut" dabei seien, gingen zunehmend mehr Kommunen dazu über, ihre Festplätze an private Betreiber zu vergeben. "Passau war bisher ein gutes Pflaster. Der private Organisator hat nun die Platzgelder verdoppelt. Da ist nichts mehr verdient."

Festbesuche seien für die Bürger der pure Luxus. "Wir haben vielleicht manchmal etwas mehr Umsatz, aber immer weniger bleibt in der Kasse."

20.01.2006

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Bei den Schaustellern dreht sich vieles um Bürokratie

(CZ) "Wir haben die gleichen Probleme, die der kleine Mittelstand hat: Ausufernde Bürokratie und eine komplizierte Steuergesetzordnung", sagt Hans-Peter Arens, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Schausteller und Marktkaufleute e. V. (BSM).

 

Großmärkte auf der "grünen Wiese", Veranstaltungsverbote nach Katastrophen und Unglücken, die EU-Ostererweiterung und die angedachte Dienstleistungs-Rahmenrichtlinie, sowie hohe Stromkosten und Standgelder beschäftigen die deutschen Marktleute und Schausteller, die noch bis Dienstag in der Westfalenhalle ihren 31. Bundesverbandstag abhalten. Veranstaltungsverbote nach Ereignissen wie dem 11. September 2001 oder der Flutkatastrophe in Asien lehnt Arens ab: "Da sollte man lieber das Fest durchführen und von der Erlösen etwas abgeben." Das Leben gehe auch in Diskos oder bei Sportveranstaltungen weiter, "da muss gleiches Recht für alle gelten".

Apropos Recht: Die Dienstleistungs-Rahmenrichtlinie der Europäischen Union, die bis 2010 eingeführt werden soll, besagt u.a.: Für Unternehmer, die in anderen EU-Staaten tätig sind, gelten nur die Rechte und Vorschriften ihres Herkunftslandes. Hier fürchtet Arens die Untergrabung des deutschen Sicherheitsstandards: "Die Besucher sehen doch nicht, nach welchen Vorschriften ein Karussell geprüft wurde."

Eine gefährliche Tendenz beobachtet BSM-Vizepräsident Giuseppe Angeletti: "Es gibt immer mehr Bestrebungen, Volksfeste von Eventmanagern ausrichten zu lassen." Durch diese Privatisierungen, so Angeletti weiter, steige oft die Standmiete stark an und das Volksfest bekäme einen "Ballermanncharakter". Das wollen die Schausteller verhindern. Arens: "Der Trend zu höher, schneller, weiter ist abgeflacht. Volksfeste sollen zu einem Ort der Begegnung werden." Heute findet um 10 Uhr ein Marsch von der Petri- zur Reinoldikirche statt, um 12 Uhr sollen auf einer Kundgebung in der Bürgerhalle noch einmal die Forderungen des BSM erläutert werden.

23.01.2005   

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Anatomie einer Intrige

Der Kampf um die Nachfolge des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel wird zur Schlammschlacht. Jetzt muß Annette Schavan sogar ihr Privatleben verteidigen

von Johann Michael Möller

 
 

Walter Weitmann hat schon immer gerne die Spielregeln verletzt. Als er die badischen Bierbrauer aus Donaueschingen in sein Festzelt holte, da herrschte Krieg auf dem Cannstatter Wasen, dem Stuttgarter Oktoberfest. Da drohten ihm die schwäbischen Brauer sogar Prügel an. Walter Weitmann ist das, was man ein Urgestein nennt. 55 Jahre Volksfest: Vom Budenbesitzer zum König der Schanktische. Wo er war, schäumte es immer. Dann wurde er krank, wollte abtreten, feuerte seine eigene Tochter und läßt heute verkünden: "Ich bin wieder da."

Walter Weitmann war auch auf der ersten Regionalkonferenz der beiden Kontrahenten um die Teufel-Nachfolge in Schwäbisch Gmünd. So eine politische Schlammschlacht ist ganz nach seinem Gusto. Und damit es dort auch so richtig schäumt, verteilte er gleich am Eingang Flugblätter, in denen etwas von neuesten Gerüchten stand über "angebliche gleichgeschlechtliche Beziehungen" der Kultusministerin Annette Schavan. Weitmann ist keiner, der da groß herumredet. Er sitzt im Rollstuhl und will es genauer wissen. Auch hernach in der Fragerunde, die Schavan noch mit viel Witz pariert.

Günther Oettingers Greifkommandos sind auch schon vor Ort und erkennen blitzschnell, welche Gefahr sich da zusammenbraut. Sie kassieren die Flugblätter rigoros. Denn sie wissen: Wenn auch nur der leiseste Verdacht aufkommen sollte, daß auch sie mit diesem Thema spielen, dann würde es eng werden für ihren Favoriten, an dem schon das Image des Königsmörders hängt. Auch der Tagungsleiter Reinhart, eher ein Oettinger-Mann, mahnt. Es habe da diskriminierende Flugblätter gegeben aber man wolle doch eine faire Auseinandersetzung mit Stil.

Um Stil ging es schon immer, wenn Annette Schavan es wagte, ihren Fuß auf politische Erbhöfe zu setzen, oder sicher geglaubte landespolitische Pfründe anzutasten. Schon als sie ins Schattenkabinett von Christian Wulff berufen wurde, gab es die Kneipenrunden im bierdimpfeligen Hinterzimmer, wo über angebliche Neigungen getuschelt wurde. Und als Annette Schavan ins Gespräch für die Rau-Nachfolge kam, da schlug man sich schon mal in der bayrischen Landesgruppe in Berlin auf die krachledernen Oberschenkel.

Für die Witwenschüttler vom Boulevard war das ein gefundenes Fressen. Gab es da nicht sogar eine mysteriöse Nonne im Privatleben der Annette Schavan. Selbst ihre Mutter wurde mit peinlichsten Fragen traktiert.

Annette Schavan hat solche Anspielungen stets abblitzen lassen, hat auch in Schwäbisch Gmünd noch spöttisch pariert, daß sie sehr wohl wisse, was eine Familie sei, denn sie käme schließlich aus einer.

Aber die offene Flanke der unverheirateten, kinderlosen Katholikin aus dem Rheinland bleibt. Und die Oettinger-Fraktion malt diesen Malus genüßlich aus.

Zur Wahl in Baden-Württemberg stünde jetzt ja eine Theologin und Pädagogin gegen einen Juristen und Wirtschaftsanwalt, schreibt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU im Stuttgarter Landtag, Peter Hauk, mit drei weiteren bekennenden Oettinger-Männern an die CDU-Mitglieder im Neckar-Odenwald Kreis. Oettinger spreche nicht nur über Familie, heißt es dort, "sondern er lebt Familie."

Wir können doch nicht die Augen vor den natürlichen Qualitäten unseres Kandidaten verschließen, heißt es dazu treuherzig aus dem Oettinger-Lager. Er sei nun einmal verheiratet und habe auch ein Kind.

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Misswahl vor Fressbuden

Neue Effekte eingetroffen: Der Aufbau der Stände endet heute, denn morgen wird der 969. Bremer Freimarkt um 18 Uhr feierlich eröffnet. 17 Tage lang stehen Fressbuden neben altbekannten und neuen Attraktionen auf der Bürgerweide. Erstmals wird es eine "Miss Freimarkt" geben. Bisher kennt sie noch niemand- abgestimmt wurde im Internet.
Laut Susanne Keuneke vom Verband der Marktkaufleute und Schausteller, werden die Verantwortlichen dafür sorgen, dass "die Jugendlichen den Freimarkt ordentlich wieder verlassen". Denn trotz der Forderungen von SPD und CDU wird der Ausschank so genannter "Alcopops" auf dem Freimarkt nicht verboten. Die Preise bleiben stabil: Wie im vorigen Jahr kostet eine Maß Bier stolze sieben, ein kleines Pils zwei Euro. Um trotzdem auf die erwarteten 4 Millionen Besucher zu kommen, locken die Schausteller mit Sonderangeboten.

lb/FOTO: Joanna Kosowska

taz Bremen Nr. 7487 vom 14.10.2004, Seite 21, 34 Zeilen (TAZ-Bericht), lb

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Freimarkt bleibt frei

Platz auf der Bürgerweide, Pflaster neben das Gerichtsgebäude, Geld für City und Stadtteile

Bremen taz Über einer prallen Tagesordnung brüteten gestern die Baudeputierten unter dem Vorsitz von Bausenator Jens Eckhoff (CDU). Beschlossen wurde unter anderem ein Bebauungsplan für die Bürgerweide, der, so der SPD-Politiker Hermann Kleen, vor allem die 100.000 Quadratmeter für den Freimarkt festschreibt und den Bestand des Kulturzentrums Schlachthof sichert. Auch die CDU begrüßte den neuen Plan. Gleichzeitig verlangten SPD und CDU von Bau- und Wirtschaftsressorts ein entsprechendes Verkehrskonzept. Erst dann soll das Gesamtpaket in Senat und Parlament beschlosen werden.

Auf Betreiben der Grünen wurde in der gestrigen Sitzung die Planung zur Ostertorstraße zwischen Domsheide und Viertel zur Überarbeitung ans Bauressort zurückgegeben. "Die ursprünglich geplante Hochpflasterung ist viel zu teuer", so die Grüne Karin Krusche. Außerdem seien die Fußwege zu schmal. Mit der Zentralbibliothek im alten Polizeihaus müsste man an dieser Ecke aber in Zukunft mit mehr Fußgängern rechnen.

Die Aufwertung der Ostertorstraße ist Teil des Eckhoffschen Aktionsprogramms, dem die Baudeputation gestern in Teilen ebenfalls zustimmte. Der Senat hatte für die Jahre 2004 und 2005 rund 25 Millionen Euro zugesagt, in der Baudeputation aber waren die Mittel bislang nicht freigegeben worden. Nun sollen mit einer ersten Tranche Vorhaben wie die Marktplatz-Beleuchtung, Projekte im Stephanieviertel und in der Bahnhofsvorstadt umgesetzt werden. Aber nicht nur die City, auch die Stadtteile sollen profitieren: Die Belebung des Sedanplatzes in Vegesack sowie ein Verkehrsleitsystem für Bremen-Nord stehen ebenso auf dem Programm wie die Neugestaltungen am Oslebshauser Bahnhof und am Huchtinger Dorfplatz. "hey

taz Bremen Nr. 7380 vom 11.6.2004, Seite 21, 61 Zeilen (TAZ-Bericht), hey

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Ein ruhiger Mensch

Aus dem Osten gekommen: Pathetisch wird CDU-Landesgeschäftsführer Heiko Strohmann nur selten

Bremen taz Die meisten dächten gar nicht, dass er aus dem Osten komme, sagt er. Und dass das wohl an der Sprache liege. Heiko Strohmann spricht nämlich kein Sächsisch. Mitunter, erzählt der Landesgeschäftsführer der Bremer CDU, werde er gefragt, ob er aus Hamburg oder Lübeck komme. Nein, korrigiert er dann, weder noch. Geboren ist er nämlich 1968 in Rostock.

Sein Abitur hat er noch machen dürfen, fürs Studium galt er dem System aber als zu unzuverlässig. Irgendwann habe er mal in seine Stasi-Akten geschaut und festgestellt, dass er offenbar im Kreise von Internatsschülern "Gesellschaftskritik" geübt habe. "Aber, mein Gott, völlig harmlos", sagt er. Aus Sicht der Staatssicherheit allerdings verdächtig genug, um die Seefahrtsausbildung zu stornieren. "Die befürchteten, dass ich die Gelegenheit nutzen würde", vermutet Strohmann. Und fügt hinzu, dass sie damit so falsch ja nicht gelegen hätten. Ressentiments klingen anders.

Kann er aber auch: Am unerbittlichsten klingt Strohmann, wenn er erzählt, dass die Bremer SPD sich "noch im Dezember 1989" um "freundschaftliche Kontakte zur Rostocker SED bemüht" habe. Da schüttelt er den Kopf, und sagt, dass ihm das "richtig widerlich" erscheine. Milderts aber schnell großkoalitionär ab, dass "die heutige SPD ja etwas ganz anderes" sei.

Strohmann ist nach dem Abi Schausteller geworden, "weil man da die größtmögliche Freiheit hatte". Und ist im September 1989 ausgereist, über die Prager Botschaft. Geflohen wäre vielleicht richtiger, aber das klingt zu dramatisch, um zu ihm zu passen: Heiko Strohmann ist ein eher ruhiger Mensch. Was strategische Vorteile bringt. Keiner erklärt bei den Landesparteitagen sanfter als er, warum ein redundanter Antrag besser nicht angenommen wird. Und wenn er im Gespräch pathetisch wird - was selten vorkommt - entschuldigt er sich vorab: Man müsse aufpassen, weil man da leicht pathetisch werde. Aber der dritte Oktober sei "ein Geschenk der Geschichte, dass wir wieder ein Volk und ein Land sind." Und darum habe er die Debatte über den Nationalfeiertag für "ehrlich gesagt: zum Kotzen" befunden. "bes

taz Bremen Nr. 7509 vom 9.11.2004, Seite 26, 77 Zeilen (Portrait), bes

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Viel Ärger, wenig Gewinn

Zeiten für Schausteller sind nicht rosig / Kaum deutsche Saisonkräfte


Vom 13.08.2004

KIRN Damit heute Abend die Kirner Kerb pünktlich starten kann, waren in den vergangenen Tagen viele Hände notwendig, um die Karussells auf dem Festplatz aufzubauen. Ein ganz schöner Stress. Und die Zeiten sind schlecht für Schausteller.  
Von

Klaus Pfrengle

"Viel Arbeit, viel Ärger, wenig Gewinn." Die markigen Worte von Karussellbetreiber Manfred Becker aus Kaiserslautern sagen eigentlich alles aus über den Beruf eines Schaustellers in momentan schwierigen Zeiten. "Der Chef ist heute nicht gut drauf", ist seine Frau Brigitte sogleich bemüht, die eben in Rage getroffene Aussage ein wenig zu dämpfen. Dennoch, das Geschäft auf dem Rummel scheint zu stocken. Laut einer Umfrage auf dem Kirmesgelände in Kirn stehen bei den meisten Aufwand und Ertrag schon lange in keinem gesunden Verhältnis mehr.

Die Ursache ist überall die gleiche. Bei den Festplatzbesuchern sitzt das Geld längst nicht mehr so locker wie früher. "Das Geld ist bei vielen nun mal äußerst knapp", wissen auch die Beckers. Nichtsdestoweniger, die Unkosten für die Betreiber steigen unaufhörlich, angefangen bei Versicherungen, Steuern, Reparaturen über Standmiete bis hin zu den immens gestiegenen Energiekosten. "Vom Personal ganz zu schweigen", winkt die Chefin ab. Gute und flexible Arbeiter finde man ohnehin selten, schon gar nicht mehr in Deutschland.

Die Beckers beschäftigen für die Hauptgeschäftszeit drei Saisonarbeiter aus dem Ausland. In diesem Jahr haben drei Rumänen angeheuert. Die Verständigung während der Arbeit klappt, wie beim zweitägigen Aufbau in Kirn zu beobachten, reibungslos, wenn auch meist mit Händen und Füßen. "Nach wenigen Wochen sitzen halt die immer selben Handgriffe auch ohne viele Worte", erzählt der 16-jährige Sohn Enrico, der das Geschäft gerne einmal in vierter Generation betreiben möchte. Obwohl die Vermittlung der Aushilfskräfte stets über eine Agentur abgewickelt werde, seien vor allem die vielen Formalitäten mit den Behörden schon ein wenig nervenaufreibend, sagt er.

Die Beckers reisen mit ihrem noch recht neuen "Break-Dancer" schon seit 1993 quer durch die Republik. Die Anschaffung hatte seinerzeit die ganze Familie geschultert. Von März bis Oktober sind sie, wen wundert´s, kaum zu Hause. Wie in Schaustellerkreisen häufig üblich, ist der Zusammenhalt untereinander groß. Auch die Verwandtschaft packt regelmäßig mit an. Es braucht wohl keiner Erklärung, dass der Fortbestand des Unternehmens ohne den Familiencharakter wohl kaum möglich wäre.

Übrigens, in Kirn schlagen sie gerne ihr Lager auf. "Dort klappt wenigstens alles reibungslos", freut sich Brigitte Becker beim Gang in die Frühstückspause. Während des Trubels sitzt sie meist an der Kasse, bedient das Mikrofon und verkauft Tickets. Die Fahrt kostet wie im Vorjahr zwei Euro. Ob die Kerb das erhoffte Geschäft bringt, wird sich spätestens mit Beginn des zwölfstündigen Abbaus in der Nacht zum Montag zeigen. Vielleicht ist dann auch die Laune des Chefs eine bessere.

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Einmaleins unterm Riesenrad
Während die anderen die Herbstferien genießen, büffeln Schausteller-Kinder Englisch, Chemie und Deutsch
Von Carola Lauterbach

Ihr seid noch nicht dran, rufen Kelly, Anne, Florian und Franz wie aus einem Munde. „Wollten ja nur mal fragen“, antworten die beiden hochgeschossenen Jungs knapp. „Halb eins, Seppl, wie es draußen dran steht“, sagt Thomas Carl. „Und du, Tony, halb zwölf. Legt euch nochmal schlafen.“

Es ist kurz nach 10 Uhr, und der erste Schichtwechsel im Schulwagen unterm Riesenrad wird fällig. Seit um neun haben Linda, Marie, Kelly und Julia englische Sätze gebildet, die kleine Anne hatte Deutsch. Anschließend werden Franz und Jacky üben, ihr Heimatdorf auf Englisch vorzustellen, während Florian schweren Herzens ein Exzerpt über Entstehung, Zusammensetzung und Vorkommen von Kohle macht. Chemie! Alles andere wäre dem Neuntklässler tausendmal lieber, aber eben weil er mit dem Fach bissel auf Kriegsfuß steht, muss er ja ‘ran.

Was läuft hier eigentlich? Warum Unterricht in einem engen Campingwagen? Warum auf der Dresdner Vogelwiese? Und warum überhaupt jetzt, wo sich doch gerade alle sächsischen Schüler ihrer wohlverdienten Herbstferien erfreuen?

Was sich hier abspielt, ist gewissermaßen eine Errungenschaft. Die es in vielen anderen Bundesländern allerdings längst gibt: die schulische Förderung von Kindern, deren Eltern als Schausteller heute hier, morgen dort sind. Während die Kinder in der so genannten reisefreien Zeit ihrer Eltern die Heimatschule besuchen, sind sie in der Reisezeit jeweils vor Ort in Schulen angemeldet. Manchmal sind sie nur drei Tage da. Immer die Neuen. Das aber ist cool, sagen Florian und Franz und Kelly. So im Mittelpunkt zu stehen.

Doch wie sie mit dem Unterrichtsstoff klar kommen sollen, wissen sie oftmals nicht. Sie kennen den Begriff Bildungsföderalismus nicht, doch wie er sich auswirkt, weiß niemand so gut wie diese Sechs- bis Sechzehnjährigen – und deren Mütter und Väter. Während in einem Bundesland Chemie in Klasse sieben unterrichtet wird, gibt es das Fach woanders erst ab der achten. Doch auch innerhalb eines Bundeslandes ist eben alles sehr verschieden. Keine einheitlichen Lehrbücher. „Schlimmer“, sagt Franziska Borowsky, „die eine Schule fängt das Buch von vorne an, die andere von hinten. Und: Unsere Kinder bekommen viel zu wenige Zensuren“. Die Mutter von Franz, der eben im Schulwagen auf Englisch den schönen neuen Sportplatz in seinem Dorf rühmt, gehört zu jenen Schausteller-Eltern, die um besagte Errungenschaft gekämpft haben. Dass sich jemand ihrer Kinder annimmt, sie individuell fördert, den Kontakt zu den Heimatschulen und den Schulen vor Ort hält und somit hilft, dass diese Kinder eine weitgehend geregelte Schulzeit durchlaufen können. Man ahnt, dass das kein leichtes Unterfangen ist. 56 Schaustellerkinder sind derzeit in Sachsen im schulpflichtigen Alter.

Genau vor einem Jahr endlich gelang es den besorgten Eltern, sich Gehör beim Kultusminister zu verschaffen. „Wir hatten das Gefühl, da ist mal einer, der unsere Probleme nachvollziehen kann“, sagt Frau Borowsky. Im März 2004 schrieb das Ministerium eine Lehrerstelle aus. Die drei Schaustellervereine Dresden, Leipzig, Chemnitz gründeten zwei Monate später den Schulförderverein „Schulbildung von Schaustellerkindern in Sachsen e. V.“ und schafften als erste Vereinshandlung den Campingwagen als Schulwagen für 10 000 Euro an. Seit Beginn des Schuljahres 2004/2005 ist Thomas Carl, Mittelschullehrer für die Fächer Deutsch, Geschichte, Ethik, als „mobile Bereichslehrkraft“ gewissermaßen Sachsens „Zirkuslehrer“. Was aber nur bedingt stimmt. Denn hier gastierende Zirkusse oder auch die Binnenschiffer haben noch keinen Gebrauch von der Institution mobile Lehrkraft gemacht.

Die zwei „Engländer“ und der „Chemiker“ haben Unterrichtsschluss. Die fünf Mädchen melden ihrem Lehrer freudestrahlend, dass ihr selbst gebastelter Drachen tatsächlich steigt. Dass sie trotz Herbstferien aber auch Schule haben, macht ihnen nichts aus. „Wir wollen doch was lernen“, sagt Kelly. Niemand kichert. Sie meinen das ernst.

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Engagiert für Unicef: Der ewige Schausteller Eisermann



Die Großmutter war Dorit Paaselli, das "Elastikwunder". Der Urgroßvater war "Maxe" Schmidt, Zirkusunternehmer, Bärendompteur und der "stärkste Mann der Welt". Auch seine Eltern verdienten als Schausteller ihren Lebensunterhalt. Der Sohn musste wegen des unsteten Lebens zig-mal die Schule wechseln. Aus dem Jungen wurde, wie zu lesen, zu sehen und zu hören ist, aber doch was."Auch ich bin ein Schausteller. Egal, wo man aufwächst, man wird immer geprägt von seiner Umwelt. Wäre ich also in China geboren worden, würde ich chinesisch reden. Ich komme aber aus dem Jahrmarktsmilieu, und daraus stammt nun mal alles, was kulturell von Bedeutung war und ist", sagt der Schauspieler André Eisermann, der in den kommenden Wochen zwei Mal live präsent sein wird in Leipzig: Am kommenden Sonntag nimmt er als Stargast des traditionellen Unicef-Konzerts, gemeinsam getragen von Gewandhaus, der Verbundnetz Gas AG und unserer Zeitung, einen Spendenscheck über 50 000 Euro für das UN-Kinderhilfswerk entgegen.Und am 16. Dezember ist Eisermann mit seiner "Werther-Performance" nach Goethe im Schauspielhaus zu Gast und will nach diesem Event eigenhändig für Not leidende Kinder Geld sammeln.Eisermann weiß, warum er das tut. Da sein, also das fahrende Volk, vom Aussterben bedroht ist, ist sein Engagement für die gequälten Kinder der Welt keine Geste, sondern Überzeugungssache. Eisermann, der, wie er selbst sagt, einer "fast ohne Schulbildung" ist, setzt sich für hiesige Bildungsprojekte ein, unterstützt Kinder von Schaustellern, um ihnen das Lernen zu finanzieren, engagiert sich auch für Unicef und für Kinder in großer Not, etwa im Sudan oder auch in Sierra Leone. Dafür spendet der Star sogar seine Gage.André Eisermann ist sich der Verantwortung, ein Mann des öffentlichen Lebens zu sein, bewusst. Und er ist überzeugt, dass das Elend der Welt unserer hiesigen Wohlstandsgesellschaft "einfach nicht mehr in den Kopf passe". Erst vorgestern war er im Berliner Einkaufstempel KaDeWe. Ihm seien die Augen über gegangen, wie gut es den Leuten gehe: "Die sitzen da rum und futtern Langusten und Austern in Knoblauchsoße. Und da klagen diese Leute in diesem Land über Hartz IV und über einen Bundeskanzler, der gesagt hat, nein, meine Soldaten gehen nicht in den Irak?" Eisermann weiß auch von "guten Bekannten", die schon seit Jahren vom Sozialamt leben. Regelmäßig komme jemand in die Wohnung seiner Tante und schaue, was denn gebraucht werde: "Vielleicht eine neue Waschmaschine?" Der Schausteller, nun vollends in Empörung geraten:"Nein, ich mag es nicht, wenn bei uns gejammert wird angesichts dessen, was in der Welt, beispielsweise im Irak, los ist."Demnächst stellt Eisermann wie gesagt in Leipzig Goethes "Die Leiden des jungen Werther" zur Schau. Auch dieser Figur liefert er sich aus wie schon, in einer seiner ganz großen Rollen, dem Kaspar Hauser. 30 Bücher hatte er über den größten Kriminalfall des 19. Jahrhunderts gelesen, vom jetzigen Leben hatte er sich zurückgezogen, nur um dieses Gefühl von damals zu empfinden. Eisermann hat mithin Hauser als Mensch erfahren und weiß zu 99 Prozent, dass er der Erbprinz von Baden, also ein Opfer politischer Intrigen war - so wie es für den Schauspieler die Kinder im Sudan, in Sierra Leone jetzt auch wieder sind. "So einfach ist es, den Bogen zu spannen", sagt er.Werther also. Der klassische Stoff ist für ihn "beste Popkultur". Er schlägt dem Publikum den alten Goethe um die Ohren. Spätestens im zweiten Teil hebe er immer ab, der Stoff rase mit, in ihm, er schmeiße sich rein ins volle Liebesleid, sei dabei mit den Nerven oft am Ende - um danachwieder ganz der André zu sein und zum Ursprung seiner Kultur zurück zu finden. Dort, auf Jahrmärkten, fühlt der sich immer noch zu Hause. Dort fährt er noch immer Autoscooter und wirft noch immer mit Stoffbällen auf Büchsen."Ich hoffe nur, dass uns diese Kultur nicht verloren geht. Leider haben die jungen Leute, die früher Autoscooter gefahren sind, heute Handy-Schulden. Und ihre arbeitslosen Eltern haben kein Geld, um auf dem Rummelplatz für sieben Euro in die Achterbahn zu steigen."

Thomas Mayer

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Aurich: Geplant: Mobiler Freizeitpark
Schausteller haben aber noch mehr Ideen für Aurich und Umgebung

 
rob Aurich. Um Visionen sind die ostfriesischen Schausteller nicht verlegen. Ideen und Pläne werden stets umgehend in die Praxis umgesetzt. Am Mittwoch zog Schausteller-Chef Karl-Heinz Langenscheidt ein neues As aus dem Ärmel: Im nächsten Jahr wollen er und seine Kollegen auf dem Mehrzweckgelände in Aurich-Tannenhausen ein „Volksfest der Superlative“ organisieren - ein Spektakel in der Größenordnung des Leeraner Gallimarktes und mit Beschickern aus dem gesamten Bundesgebiet.

„Wir sollten so etwas in unserer Region ruhig einmal wagen“, sagte Langenscheidt am Mittwoch in einem Pressegespräch. Angepeilt werde der Monat August, um auch die Touristen von der Küste anzulocken. Ohnehin sehen die Schausteller ein großes Einzugsgebiet. Besucher würden bei solch einem Ereignis aus dem Emsland, dem Oldenburger Raum und aus den benachbarten Niederlanden kommen, ist Langenscheidt überzeugt.

l Dieses Volksfest könnte Vorläufer für eine weitere Idee der Schausteller sein: ein mobiler Freizeitpark mit einer Standzeit von mindestens zwei Monaten - in welcher ostfriesischer Stadt ist noch ungewiss. „Um ein solches Ding auf die Beine zu stellen, benötigen wir das Management geschulter Leute“, ist sich Karl-Heinz Langenscheidt bewusst. Es müsse aber dringend etwas passieren, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Die Konjunktur habe auch im Schaustellergewerbe ihre Spuren hinterlassen. „Es sieht nicht rosig aus“, so Langenscheidt. Nachdem sich gerade bei den jüngeren Leuten das Handy etabliert habe, würden Kontakte und Bekanntschaften zunehmend über SMS geknüpft und nicht mehr wie früher auf den traditionellen Volksfesten. Mit neuen Highlights müsse diesem Trend verstärkt entgegengewirkt werden.

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Ende eines Schaustellerlebens

Ex-Spreepark-Betreiber Witte hat eine lange Karriere von Gesetzesübertretungen hinter sich. Die letzte - er schmuggelte 167 Kilo Kokain - machte ihn krank. Er muss jetzt sieben Jahre ins Gefängnis
VON KIRSTEN KÜPPERS

Es hätten 15 Jahre werden können. Norbert Witte hat nicht die Höchststrafe bekommen. Er muss jetzt 7 Jahre ins Gefängnis, und vielleicht lassen sie ihn sogar noch früher gehen. Sieben Jahre, das ist kürzer, als alle gedacht haben. Das ist nicht viel für 211 Päckchen Rauschgift, versteckt in einem Karussell. Das ist wenig für einen, der versucht hat in seinem "Fliegenden Teppich" 167 Kilogramm Kokain von Peru nach Deutschland zu schmuggeln (die taz berichtete). Aber vielleicht steckt in den sieben Jahren auch ein Stück Wahrheit. Die Feststellung des Berliner Landgerichts, dass der 49-jährige Norbert Witte keinesfalls ein so professioneller Krimineller ist, wie er selbst bisweilen geglaubt hat. Die Gewissheit, dass der blasse Mann vorne auf der Anklagebank längst zu schwach ist für jede weitere Form der illegalen Beschäftigung.

Dabei kennt Norbert Witte alle Etagen des Geschäfts. Die Sache mit dem Kokain schloss eine lange Karriere von Gesetzesübertretungen ab, die mit kleineren Verkehrsdelikten, Urkundenfälschungen und fahrlässigen Körperverletzungen begonnen hatte, die mit Versicherungsbetrügereien und Brandstiftungsversuchen ihren Lauf nahm, und an deren Ende nun ein Berg Schulden und ein zertrümmertes Schaustellerleben liegen.

Die Vergehen auf dem Weg waren zahlreich. Im Jahr 1982 wurde Norbert Witte wegen fahrlässiger Tötung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Auf der Hamburger Kirmes war Witte mit einem Kran beim Reparieren seines Karussells in ein benachbartes Fahrgeschäft gefallen. Bei vollem Betrieb. Sieben Menschen starben. Hinterher stellte sich heraus, dass Wittes Kran weder angemeldet noch versichert gewesen war.

Als Norbert Witte das Berliner Vergnügungsgelände "Spreepark" übernahm, ergaben sich andere Probleme. Der Park machte Verluste. Witte stritt sich mit dem Land Berlin um Parkplätze und Baugenehmigungen; die Leasinggebühren für die Achterbahnen und Karussells an die Leasingfirma zahlte er nicht. Im Herbst 2001 drohte die Pleite des Vergnügungsparks. Witte floh mit seiner Familie nach Peru. Sechs Fahrgeschäfte, darunter der "Fliegende Teppich" und eine Geisterbahn, nahm er mit. In Berlin hatten sich Schulden von mehr als 13 Millionen Euro angehäuft. Ein Verfahren wegen Konkursverschleppung läuft noch heute.

In Peru wollte Norbert Witte neu anfangen. Es lief nicht so wie geplant. Auf einmal bekam Witte in Lima ein Geschäft angeboten. Im hohlen Stahlmast des "Fliegenden Teppichs" könnte man Kokain schmuggeln, so die Idee. In Peru gibt es Rauschgift von bester Qualität. In Deutschland sollte das Kilo für 25.000 Euro verkauft werden. Witte sollte 700.000 Dollar für den Schmuggel erhalten. Er willigte ein.

Aber Witte ist Schausteller von Beruf. Er hatte nicht das Zeug zum Drogenschmuggler. Seine Nerven und sein Herz machten nicht mit. Er wurde immer nervöser, das Herz flatterte, Witte erlitt mehrere leichte und schwere Schlaganfälle. Der Gesundheitszustand verschlechterte sich, je näher das Datum für den Transport nach Deutschland rückte. Irgendwann erzählte Witte seinem Sohn Marcel von dem Kokain. Er hat seinen Sohn in die Sache mit reingezogen.

Als das Versteck im "Fliegenden Teppich" dann aufflog, weil sich unter Wittes Komplizen ein verdeckter Ermittler der peruanischen Drogenfahndung befunden hatte, war Norbert Witte längst ein schwer kranker Mann. Bei der Razzia im Hafen von Lima am 5. November vergangenen Jahres wurden sechs Männer festgenommen, darunter auch Wittes 23-jähriger Sohn Marcel, der bis heute in einem peruanischen Gefängnis auf seine Gerichtsverhandlung wartet.

Witte selbst wurde einen Tag später in Berlin geschnappt. Die Zeit der Untersuchungshaft verbrachte er geschwächt und schwer atmend in einem Bett im Haftkrankenhaus. Die Ärzte sagen, dass er nicht mehr viele Jahre zu leben hat.

Vor allem aus diesem Grund hat das Gericht keine höhere Strafe verhängt. "Es muss eine Lebensperspektive in Freiheit möglich sein", erklärte die Richterin. Das Urteil wurde am Mittwoch verkündet. Hinterher stand der Angeklagte auf, trippelte nach vorne, verabschiedete sich leise von der Richterin. Sein Anwalt erklärte später auf dem Gerichtsflur. "Ja, eigentlich ist Herr Witte ein freundlicher Mensch."

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Ex-Domherr Leopold und die Posse um ein Riesenrad
Berlin: Projekt steht vor dem Aus - wegen der Vergangenheit des 62jährigen

Hamburgs ehemaliger Domherr Eberhard Leopold (62) hat ein Riesenprojekt in Berlin ins Trudeln gebracht. Der 62jährige, der 1999 in einem aufsehenerregenden Prozeß wegen Untreue zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden war, will als Geschäftsführer der "World Wheel Berlin Holding GmbH" am Tempelhofer Ufer in Kreuzberg das mit 175 Metern größte Riesenrad der Welt bauen: 60,5 Millionen Euro teuer, Gondeln "groß wie Häuser" und "40 Minuten Flugzeit".

Als in Berlin die Vergangenheit des "schönen Ebi" - so wurde der ehemalige Oberregierungsrat auf dem Dom genannt - bekannt wurde, überschlugen sich die Ereignisse. Am Mittwoch wurde der PR-Berater des Projektes, Dirk Nishen, ohne Angabe von Gründen entlassen. Nishen hatte nach Angaben des zuständigen Berliner Senatsamtes für Stadtentwicklung die Verhandlungen geführt.

Das Berliner Amt bewertet das plötzliche Bekanntwerden von Leopolds Vergangenheit als "nicht unbedingt förderlich", sagte Sprecherin Manuela Damianakis. Leopold erklärte dem Abendblatt, daß in der kommende Woche die Gesellschafterversammlung über "personelle Konsequenzen" beraten werde.

In Hamburg hat die Posse um den Mann, der 15 Jahre lang das Domreferat geleitet hatte, "ein Schmunzeln" ausgelöst. So sagte Bernd Simon (54), Vizepräsident des Landesverbandes des Ambulanten Gewerbes: "Die Berliner waren wahrscheinlich blauäugig". Simon betont jedoch, wie hoch die "schaustellerische - nicht die kaumännische - Fachkompetenz" Leopolds sei.

In einem Zivilprozeß, der vor dem Oberlandesgericht beginnen soll, wollen die Schausteller die veruntreute Summe von damals einklagen. "Das sind heute 180 000 Euro", so Simon. reba

erschienen am 26. November 2004 in Hamburg

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Karussell-Unfall: Auflagen missachtet


Elmshorn/Itzehoe - Als es vor einer Woche zum schweren Karussel-Unfall auf dem Rummelplatz während der Elmshorner Flora-Woche kam, hatte der Betreiber des Fahrgeschäfts behördliche Auflagen nicht erfüllt. Das hat am Freitag Oberstaatsanwalt Wolfgang Zepter von der Staatsanwaltschaft Itzehoe erklärt. Zepter nahm dabei Bezug auf ein Gutachten eines Sachverständigen. Der Oberstaatsanwalt betonte gleichzeitig, dass die Nicht-Erfüllung der Auflage nicht bedeuten müsse, dass der schwere Unfall vom 28. August darauf zurückzuführen sei.

Am genannten Tag war gegen 23.40 Uhr ein Mann (35) aus Heist, wie berichtet, während der Fahrt aus dem "Space Wave" geschleudert worden. Der Betreiber der "Welle", Karl Weihs (46) aus Lunden/Kreis Dithmarschen, hatte - auch im Gespräch mit der PZ - alle Schuld von sich gewiesen. Das Unfallopfer, das zunächst in Lebensgefahr geschwebt hatte, soll sich laut Weihs unter dem Sicherungsbügel hindurchgewunden haben. Der Schausteller hatte weiter gesagt, nach einem Unfall mit drei Schwerverletzten auf dem Rummel in Heide (18. August) sei das Karussell auf Anweisung der Behörden mit einer Zusatzsicherung nachgerüstet worden.

Dieser Aussage widerspricht die Staatsanwaltschaft. Die Auflage des Kreises Dithmarschen ("unter Anordnung der sofortigen Vollziehung") "durch den Einbau von Sicherheitstechnik sicherzustellen, dass ein Anfahren des Fahrgeschäfts bei offenen Sicherheitsbügeln nicht möglich ist", sei nicht erfüllt worden. Die Ermittlungen wegen des Elmshorner Vorfalls gehen weiter. Denn, so Zepter, der Unfall "kann auch auf anderen Umständen beruhen". bos

erschienen am 4. September 2004 in Pinneberg

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Pinneberg

Erneut schwerer Sturz aus dem "SpaceWave"
Bei der Flora-Woche stürzte am Freitag ein Mann aus der "Welle" - nur sechs Wochen nach dem Unglück mit demselben Fahrgeschäft in Heide

Von Manfred Augener, Bernd-Olaf Struppek

Elmshorn - Es war die letzte Fahrt am Freitagabend, erinnert sich Schausteller Karl Weihs (46). Im "Space Wave" auf dem Elmshorner Rummel am Buttermarkt saßen noch zehn Kirmesbesucher, die sich gegen 23.40 Uhr den Nervenkitzel der Fahrt nicht entgehen lassen wollten. "Plötzlich sahen wir, dass der Mann in etwa vier Metern Höhe unter dem Sicherungsbügel hervorkroch", so die Version des Betreibers. "Warum der das gemacht hat, wissen wir auch nicht. Der wollte sich wohl wichtig machen".

Ein Griff zum Not-Aus-Schalter konnte das Unglück nicht mehr verhindern: Der Fahrgast (35) aus Heist stürzte hinab, fiel auf ein Metallgeländer und von dort zu Boden. Offizielle Bilanz des lebensgefährlichen Sturzes aus vier Metern Höhe: offene Knochenbrüche, starke Kopfverletzungen, Prellungen. Der 35-Jährige kam sofort ins Elmshorner Klinikum. "Wir haben keine Schuld", beteuert Weihs, "bei uns war technisch alles in Ordnung".

Die Elmshorner Polizei hat an dieser Darstellung allerdings Zweifel. Ein Ordnungshüter erklärte, als Ursache für den Unfall kämen menschliches Versagen ebenso wie Leichtsinn oder ein technischer Defekt in Frage. Deshalb habe man bis zur weiteren Klärung des Unglücks in Absprache mit dem Ordnungsamt das Fahrgeschäft stillgelegt. Das Unfallopfer konnte wegen seines schlechten Gesundheitszustandes noch nicht vernommen werden, dem Mann wurde laut Polizei jedoch eine Blutprobe entnommen. "Es geht ihm richtig schlecht", so die Polizei. Ärzte hätten die Verletzungen des Mannes aus Heist als "lebensbedrohlich" bezeichnet.

"SpaceWave"-Eigentümer Weihs weist auf den vermeintlich hohen Sicherheitsstandard bei seinem Fahrgeschäft nicht ohne Grund hin. Erst vor knapp sechs Wochen waren bei einem schweren Unglück mit der "SpaceWave" beim Sommer-Jahrmarkt in Heide drei Menschen schwer verletzt worden (das Abendblatt berichtete). Ein Mitarbeiter des Fahrgeschäftes hatte dort nach einem kurzen Halt die Sicherheitsbügel von elf der 22 Gondeln geöffnet - in diesem Moment startete der Mann im Kassenhäuschen eine Extrarunde ohne Ankündigung. Beim Sturz aus dem Karussell wurden ein 36-Jähriger sowie seine 15 Jahre alte Tochter und eine weitere 13-Jährige schwer verletzt.

Nach dem neuerlichen Unglück hat ein Vertreter des Technischen Überwachungsvereins (TÜV) das Fahrgeschäft begutachtet. "Das war aber ein Autofachmann", grantelt Weihs. Der kenne sich mit Karussells gar nicht richtig aus. Wie dem auch sei - die Flora-Woche in Elmshorn musste sich Weihs "abschminken, wir bauen ab", sagt er. Den Umsatzverlust allein für den Sonnabend schätzt er auf rund 5000 Euro.

Einer Nachprüfung des TÜV sieht Karl Weihs gelassen entgegen. "An den Sicherungsbügeln kann es nicht liegen." Die seien nach dem Unglück von Heide sofort nachgerüstet worden: Sobald die Bügel aufgehen, werde die Stromzufuhr unterbrochen - das Karussell könne gar nicht weiterfahren. Außerdem könne ein einzelner Bügel nicht allein aufgehen. Wenn, dann wären die Bügel aller elf Plätze der Sitzgruppe aufgegangen. Das sei nicht passiert, ist Weihs sicher. "Der hat sich da rausgewunden wie ein Aal."

Laut Polizeiangaben hat der Betreiber bestimmte Auflagen jedoch nicht erfüllt. Ob dies beim Unfall am Freitag eine Rolle spielte, müsse noch geklärt werden, hieß es.

Weihs hatte bei der Versorgung des Unfallopfers nach eigenen Angaben den Eindruck, dass Alkohol im Spiel war. Der 35-Jährige, erinnert er sich, sei bereits vorher einmal abgewiesen worden. Einen Imageschaden für die 1997 erbaute "Welle" fürchtet Schausteller Weihs nicht. Nächste Station für sein Fahrgeschäft ist Flensburg - wenn der TÜV grünes Licht gibt.

erschienen am 30. August 2004 in Pinneberg

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Leserbriefe


An das Hamburger Abendblatt,
Brieffach 2110, 20350 Hamburg
E-Mail: briefe@abendblatt.de

Keine Fachprüfer
"Erneut schwerer Sturz aus dem ,SpaceWave'", PZ vom 30. August

Gestatten Sie mir bitte, dass ich auf Grund meiner früheren Tätigkeit zu dem Thema einmal Stellung nehme.

Dass Hauptproblem ist offensichtlich, dass es wohl keine unmittelbare Fachkraft für Fahrgeschäfte gibt. Denn es stimmt schon nachdenklich, wenn die Pinneberger Zeitung berichtet, dass ein Kfz-Prüfingenieur das Fahrgeschäft in Heide abgenommen hat.

Vor meiner Tätigkeit als Fahrlehrer war ich als Mitarbeiter eines Ordnungsamtes auch für die Abnahme von Fahrgeschäften zuständig. Bezeichnenderweise erfolgten diese Abnahmen in Zusammenarbeit mit einem Bauingenieur der Bauaufsicht. Diese gestanden mir ehrlich, dass sie von Fahrgeschäften keine Ahnung hätten. Da zur Abnahme auch eine Probefahrt gehörte, war diese Tätigkeit sicherlich nicht für jeden geeignet.

Selbst als Abnahmen nicht mehr zu meinem Aufgabengebiet gehörten, wurde ich noch von den Bauprüfern angefordert, um mit mir die Fahrgeschäfte abzunehmen.

Bei dem in Deutschland anzutreffenden Bürokratismus verwundert es mich, dass es offensichtlich bis heute noch keine speziell ausgebildeten Fachkräfte gibt, die sich mit der Technik und Sicherheit der Fahrgeschäfte auskennen. Was ist zum Beispiel mit arbeitslosen Maschinenbautechnikern bzw. -ingenieuren. Kann man diese nicht durch eine Fortbildungsmaßnahme zu entsprechenden Fachkräften umschulen?

Abschließend möchte ich betonen, dass die Schausteller bei den Abnahmen immer sehr kooperativ waren und Auflagen sofort erfüllt haben. Ich glaube nicht, dass man hier den Schaustellern massive Vorwürfe machen sollte.

Hartmut Daniel
Marie-Juchacz-Straße 10
25337 Elmshorn

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Pressemitteilungen

   

GROSSKUNDGEBUNG Innenminister Beckstein sprach vor Vertretern der bayerischen Marktkaufleute und Schausteller

Hofs Marktkonzept findet Nachahmer

VON JAN FISCHER

170 Schausteller und Marktkaufleute aus ganz Bayern haben drei Tage in Hof getagt. Eine Großkundgebung im Theater war gestern der Höhepunkt ihrer Landesdelegierten-Konferenz. Dabei trug der Präsident des Landesverbands die Sorgen und Nöte seiner Branche vor, die Antworten gab es aus erster Hand: von Bayerns Innenminister Dr. Günther Beckstein. Neben allgemeinen Themen kam auch das „Hofer Modell“ für Wochen- und Jahrmärkte zur Sprache – andere Städte wollen sich daran ein Beispiel nehmen.

FOTOS: J. F.

HOF – Viele Eindrücke nahmen die Delegierten von der Tagung des Bayerischen Landesverbands der Marktkaufleute und der Schausteller mit nach Hause. Und auch Ideen: Marktreferent Franz Pischel stellte gestern Vormittag dar, wie es gelungen ist, den Hofer Weihnachtsmarkt und die Wochenmärkte wieder zu beleben. Für das Konzept der „Events“ und Themenmärkte gab es Lob von höchster Stelle: „Das Hofer Beispiel wird richtungsweisend für die Zukunft der Marktkaufleute sein“, sagte der wieder gewählte Präsident Wenzel Bradac im Gespräch mit unserer Zeitung. Und wie zu hören war, wollen andere bayerische Städte wie Augsburg, Bamberg und Bayreuth nun auch ihre Märkte zu besonderen Veranstaltungen machen. „Sie müssen aber erst Idealisten finden“, sagte Max Hertel, Vorsitzender der Bezirksgruppe Hof.

Hertel zog schon vor der Großkundgebung und dem Abschlussball im Festsaal der Freiheitshalle gestern Abend eine positive Bilanz der Tagung, die erstmals seit 1960 wieder in Hof stattfand. Die Delegierten hätten begriffen, dass man in Zukunft ein „Kaufhaus der besonderen Art unter freiem Himmel“ schaffen müsse. Dieses Ziel sei nur in der Einigkeit aller Marktkaufleute zu erreichen. Die Organisation der Tagung habe bestens geklappt, sagte Hertel. 20 Helfer vor Ort hätten für reibungslosen Ablauf gesorgt.

Zu Beginn der Großkundgebung gestern Nachmittag im Saal des Theaters wies Oberbürgermeister Dieter Döhla auf eine Entwicklung der modernen Zeit hin: „Märkte werden immer mehr zu Unterhaltungs-Veranstaltungen.“ Dem habe Hof Rechnung getragen. Das Ergebnis: „Der Weihnachtsmarkt in unserer Stadt ist heute so schön, wie er wahrscheinlich nie zuvor war.“ Und die Themenmärkte, die sich in der Folge entwickelt hätten, kämen bestens an. Dies alles dank des Engagements der Bürger.

„Wenn es uns gelingt, ein Lebensgefühl zu transportieren, das aus jedem Besuch eines Marktes ein Erlebnis macht, dann können wir uns profilieren“ – so umschrieb Döhla die Philosophie der Markt-Aktiven. Die Fieranten und Geschäftsleute vor Ort hätten erkannt, dass ein Markt keine Konkurrenz darstelle, sondern eine Möglichkeit sei, zusätzliche Kunden in die Stadt zu locken Was dann folgte, waren – wie es sich für eine Großkundgebung gehört – klare Worte. Präsident Bradac brachte in seiner rund 45-minütigen Rede Probleme und Forderungen vor. Die Gegenrede von Innenminister Beckstein folgte auf dem Fuße – in gleicher Länge und Ausführlichkeit. Die rund 250 Gäste im Saal des Theaters, zu denen auch der Präsident des Bundesverbands gehörte, unterbrachen die Ansprachen immer wieder mit Beifall. Als der Minister seine Rede mit dem Ratschlag „G‘scheit arbeiten, g‘scheit feiern“ beendete, erhoben sich die Besucher von ihren Plätzen und applaudierten begeistert. Als Dank für seinen Besuch bei der Konferenz – der schon vor zwei Jahren geplant war, damals aber nicht zustande kam – erhielt Beckstein ein Spielkarussell.

Eine Reihe von Themen, die den Markthändlern und Schaustellern auf den Nägeln brennen, brachte Präsident Bradac vor; Minister Beckstein notierte eifrig mit und antwortete Punkt für Punkt. Bradac wandte sich gegen Eingriffe in Feste und Märkte aufgrund von Sicherheitsbedenken. Komme es gar zur Absage eines Festes, entstünden der Branche Schäden in Millionenhöhe.

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„Kaufhaus der besonderen Art unter freiem Himmel“

Max Hertel, Bezirksstelle Hof

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Beckstein erinnerte daran, dass das Oktoberfest 2001 kurz nach den Terroranschlägen in den USA über die Bühne gegangen sei. Dies solle auch in Zukunft der Maßstab sein: „Wir sollten‘s nicht übertreiben.“ Vielmehr seien doch Feste dazu da, Menschen von den Problemen des Alltags abzulenken.

Sorgen bereitet Bradac auch die EU-Osterweiterung. „Die neuen EU-Bürger sehen die Märkte – gerade in Bayern – als eine Einnahmequelle“, sagte er und warnte vor einer „Flut, die unübersehbar sein wird“. Die Qualität der Waren und der Fahrgeschäfte könnte leiden, so seine Befürchtung. Der Innenminister kündigte hier eine Verschärfung der Kontrollen an: Auch Anbieter aus anderen Ländern müssten die Gesetze einhalten. „Deshalb werden wir auch die Grenzkontrollen nicht abschaffen.“

Das Akkordeon-Ensemble der Musikschule der Hofer Symphoniker hatte die Kundgebung eingeleitet und das Warten auf den Minister verkürzt, der direkt von der CSU-Klausurtagung in Wildbad Kreuth kam. Für das Akkordeonquintett gilt auch ein Motto, das die Marktkaufleute und Schausteller als wichtiges Zulassungskriterium für Feste und Märkte hochhalten wollen: „Bekannt und bewährt.“

Rede und Gegenrede im Theater: Präsident Bradac brachte die Sorgen und Nöte der Branche vor, Innenminister Beckstein antwortete ihm ausführlich. Vom Publikum gab‘s dafür stehende Ovationen.

Vor der Fahne der „Außenstelle Hof“ (von links): Organisator Max Hertel, OB Dieter Döhla, Innenminister Günther Beckstein und Landesverbands-Präsident Wenzel Bradac


   

KONFERENZ DER
MARKTKAUFLEUTE UND SCHAUSTELLER

Schausteller sind wichtiger Wirtschaftsfaktor für jede Stadt „Hofer Modell“ zeigt, wie Märkte funktionieren

Die Mitglieder des Präsidiums des Landesverbandes, Vizepräsident Eduard Wentzl, Präsident Wenzel Bradac und Ehrenpräsident Horst Rennebaum (von links) anerkennen und unterstützen die erfolgreiche Arbeit der Hofer Mitglieder unter Vorsitz von Max Hertel und von Markt Aktiv. Foto: -kst
 

HOF – Zu ihrer 34. Konferenz halten sich die Landesdelegierten des Bayerischen Landesverbands der Marktkaufleute und Schausteller, der in 16 Mitgliedsverbänden rund 2700 Mitglieder zählt, noch bis zum Donnerstag in Hof auf. Grund für den Tagungsort Hof war dabei nicht zuletzt die überaus erfolgreiche Arbeit des Arbeitskreises „Markt Aktiv“, der sich seit rund zwei Jahren mit großem Erfolg um die Wiederbelebung des Wochenmarktes und des Weihnachtsmarktes kümmert. Die Konferenz begann gestern mit Plenarsitzungen und Fachtagungen sowie einem Empfang durch die Stadt Hof. Heute folgen weitere Sitzungen und morgen eine Tagung der Marktmeister und Referenten, bei der Franz Pischel, Unternehmensbereichsleiter Recht, Planen, Bauen, Umwelt, über das neue Modell des Hofer Wochenmarktes referieren wird.

Der Präsident des Landesverbandes, Wenzel Bradac, stellte vor der Presse die Hauptanliegen und -themen der Konferenz der Marktkaufleute und Schausteller vor. Dabei betonte er besonders die „jahrelange korrekte Zusammenarbeit mit den Kommunen“, in die die Schausteller, teils seit 30 Jahren und länger, immer wieder kommen. „Die Schausteller und Marktkaufleute, die auch einen wichtigen Wirtschaftsfaktor für die gastgebende Stadt darstellen, vertrauen darauf, bei den Volksfesten immer wieder zugelassen zu werden.“

Mit der Stadt Hof sei die Zusammenarbeit hervorragend und unbürokratisch, lobte er. Hier werde, beispielsweise durch einen deutlich vergrößerten Festumzug dafür gesorgt, dass das Volksfest von Beginn an viele tausend Besucher verzeichne. Auch die neuen, richtungsweisenden Themenmärkte, die bereits erfolgreich Nachahmer gefunden hätten, und der Weihnachtsmarkt zeigten, dass in Hof Märkte zeitgemäß gestaltet würden. Das „Hofer Modell“ sei im bayerischen Landesverband bestens bekannt, werde entsprechend unterstützt und weiterempfohlen.

„Mit unserer tollen Kampftruppe aus Stadträten, Bürgern und Mitarbeitern der Stadtverwaltung bei Markt Aktiv haben wir in Hof eine vorbildliche Situation“, lobte Max Hertel von der Bezirksstelle Hof seine ehrenamtlichen, engagierten Mitstreiter und fragte augenzwinkernd: „Wer zahlt schon fünf Euro im Monat, um am Samstag gratis für seine Stadt arbeiten zu dürfen?“ Sein Anliegen sei es, deutlich zu machen, dass der Markt der Zukunft mehr sein müsse, als nur ein Ort zum Einkaufen hochwertiger Erzeugnisse. „Der Markt ist künftig die einzige Nische, wo die kleinen Hersteller noch ihren Kunden gegenüberstehen; dort findet Kommunikation, Austausch und Unterhaltung für die ganze Familie statt.“

Diesen Eindruck bestätigte auch Oberbürgermeister Dieter Döhla, als er die Gäste aus ganz Bayern am Mittag offiziell begrüßte: „Bei ihrer Konferenz werden Sie sich Gedanken machen, wie es mit dem Marktleben in Bayern weiter gehen soll. Engagement und Zusammenarbeit heißen hier die Zauberworte. Ich denke, dass wir in Hof zu diesem Thema auf einem sehr guten Weg sind.“ KERSTIN STARKE

 

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